Medizinhütte
Meine erste Schwitzhütte
Am Wochenende war es soweit: meine erste Medizinhütte (Schwitzhütte) stand an.
Ich war so aufgeregt und voller Respekt, dass ich von Donnerstag auf Freitag nicht schlafen konnte.
Voller Bammel bin ich dann am Freitag Nachmittag losgefahren.
Mein Magen hat Druck und rummelt…SO fühlt sich Nervositiät an.
Am Freitag Abend treffen wir uns von unseren Schamanenkurs zum Ankommen und beginnen mit einem Welcome Circle.
Zum Glück haben noch weitere Mitglieder einen riesen Respekt vor der Medizinhütte. Das nimmt mir einen riesengroßen Stein vom Herzen.
Samstag Morgen:
Der Aufbau der Medizinhütte beginnt.
Wie cool! Dann kann ich eine Hütte bei Bedarf nachbauen. Mal sehen, wenn ich soweit bin und auch unbedingt eine bauen möchte.
Das Weidengestell ist zum Glück noch einigermaßen intakt. Nur die Querstreben müssen ausgetauscht werden mit langen Ästen und mit weißen Bändern fixiert werden.
Die Bänder werden aus lange Baumwollstoff einfach aus dem Stoff zugeschnitten bzw. angeschnitten und der Rest gerissen.
Bei so einer großen Gruppe geht das relativ fix.
Jetzt sind die Baumwolldecken dran. Sie werden komplett auf das Weidengestell gelegt. Die Decken bedecken auf jeden Fall noch den Boden, damit wirklich kein Licht und auch keine Luft in die Hütte kommt.
Der Eingang wird zuerst freigelassen.
Danach sind die atmungsaktiven Planen dran. Die Medizinhütte soll ja schon muggelig warm und dunkel werden.
Die Tür wird nun mit einer separaten Decke und Plane abgedeckt.
Ich hatte schon gedacht, dass wir uns mit unseren Handtüchern auf das Gras setzen sollen. Aber nein, zum Glück bekommen wir die Luxusausstattung: Wir legen kleine Teppiche in die Hütte, damit es etwas bequemer zu sitzen ist. Und die Kälte vom Boden wird gemildert.
Ich bin mit den Vorbereitungen abgelenkt und freue mich, dass ich noch eine Galgenfrist habe…
Die Hütte sieht super aus und mir ist immer noch nicht ganz wohl dabei!
Während einige mit dem Aufbau der Medizinhütte beschäftigt waren, haben andere vom Ausbildungskreis den Feuerkreis aufgebaut:
Das Untergestell wird aufgeschichtet: In der Mitte der der Holzbalken wird Zeitung verknüllt und dann mit halben ein Meter Stücken wie zu einem Tisch aufgestellt.
Nun kommen unsere Steine, die wir als Hausaufgabe mit zubringen hatten:
Lavasteine bzw. Basaltsteine. Damit die Steine die Hitze speichern können und nicht sofort auseinander fallen.
Eine weitere Schicht von langen Ästen wird aufgestellt.
Die Schwitzhüttensteine sind für die Hütte heilig. Jeder bringt durch die Steine seine eigenen Geist bzw. Wunsch mit in die Hütte.
Die Steine symbolisieren unsere Ahnen und werden so mit in den Bauch von Mutter Erde gebracht.
Jetzt beginnt die Arbeit der Feuerhüterin:
Sie muss das Feuer in Gang halten, schauen das es nicht durch das Gras abhaut und alles verbrennt. Heute hat unsere Feuerhüterin viel Arbeit. Es ist unglaublich windig. Das Feuer wird regelrecht angepustet.
Während das Feuer knistert, sind wir mit unseren Gebetsbeuteln beschäftigt. Wir haben Stoffquadrate zugeschnitten und füllen in jedes einzelne Kräuter oder Tabak. Jetzt halte ich das kleine Säckchen an mein Herz und befülle es mit meinem Wunsch oder Gebet. Dann halte ich es über meine Räucherschale und wird zuletzt an meine Gebetsschnur gebunden.
Das habe ich so oft widerholt, wie mir die Wünsche und Gebete zugeflogen sind.
Und es waren diesmal ziemlich viele!
Die Steine im Feuer brauchen ca. 3 Stunden zum Erhitzen.
Ich bin froh, dass ich noch eine Galgenfrist habe!
Auf einmal ändert sich die Stimmung und wird aufgeregt. Es geht los!
Wir gehen in 10 Minuten rein. Das heißt also: Mach dich fertig!
Mir fallen zig Ausreden ein, warum ich da jetzt nicht reingehen kann…
Doch ich habe mir vorgenommen, es wenigstens auszuprobieren. Selbst wenn ich nach 10 Minuten wieder raus will.
Wir gehen als Polonaise in die Hütte. Ich als letztes, damit ich schnell die Medizinhütte wieder verlassen kann.
Es dauert einige Zeit, bis jeder an seinem Platz richtig sitzt. Unsere Feuerhüterin bringt jetzt den ersten Stein.
Oh mein Gott, bin ich angespannt.
Dann kommt sie mit den zweiten und danach kommen noch 3 weitere.
Die Zeltplane wird geschlossen.
Ich denke, ich will sofort raus. Muss mich erst beruhigen. Mir ist es zu heiß!
Unsere Kursleiterin fängt zu singen an! Die ersten 2 Lieder kann ich nicht mitsingen. Zu heiß!
Die Lieder tragen mich.
Nach einiger Zeit geht der Gebetsstab rum: Jeder kann sein Gebet laut aussprechen!
Jetzt singen wir wieder. Es ist so gut, dass ich durch das Singen hier in der Medizinhütte bewusst sitze.
Genau kann ich die weiteren Schritte nicht mehr einzeln aufzählen zwischen dem ersten Gang und den zweiten Gang. Das vermischt sich gerade so bei mir.
Wir haben gesungen, gebetet und sind schamanisch gereist.
Wider erwarten habe ich 2 Gänge (2 Mal wurden die heißen Steine in die Hütte getragen) ausgehalten.
Das war länger als ich gedacht habe.
Nach fast 2 Stunden bin ich aus der Medizinhütte ausgestiegen.
Ich werde definitiv noch mal eine Medizinhütte machen.
Bei verschiedenen Menschen….
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